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Doku: The Science of Eternity – Life without Death [Alan Pemberton]

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Zitat

Christina G. Rossetti: Up-Hill

Does the road wind up-hill all the way?
   Yes, to the very end.
Will the day’s journey take the whole long day?
   From morn to night, my friend.
But is there for the night a resting-place?
   A roof for when the slow dark hours begin.
May not the darkness hide it from my face?
   You cannot miss that inn.
Shall I meet other wayfarers at night?
   Those who have gone before.
Then must I knock, or call when just in sight?
   They will not keep you standing at that door.
Shall I find comfort, travel-sore and weak?
   Of labour you shall find the sum.
Will there be beds for me and all who seek?
   Yea, beds for all who come.
Christina Georgina Rossetti wurde am 5. Dezember 1830 in London geboren und starb dort am 29. Dezember 1894; Todesursache: Basedow´sche Krankheit, Brustkrebs.
Vincent van Gogh zitierte in einem Brief an seinen Bruder Theo aus diesem Gedicht.

Wie starb Bruce Lee?

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bruce hercules

Hongkong, Sommer 1973, Monsunzeit. Die Premiere des letzten Bruce-Lee-Films, Enter the Dragon, steht bevor, als ein Krankenwagen vor dem Gebäude hält, in dem die Schauspielerin Betty Ting wohnt. Während man in einem kleinen  Apartmentzimmer den leblosen Körper des King of Kung Fu vom Bett auf die Bahre hebt, ahnt die Welt noch nichts. Im Krankenhaus stellen die Ärzte schnell den Tod fest. Sie finden unter anderem Reste von Cannabis im Magen des Stars. Die Boulevardpresse überschlägt sich – angebliches außereheliches Verhältnis, Drogenkonsum, Transport der Leiche in die USA auf Veranlassung der Witwe und Beerdigung in Seattle. Seit der Rummel sich gelegt und die Mystifizierung ihren Lauf genommen hat, lautet die Erklärung der Todesursache offiziell auf „Hirnödem und epileptischer Anfall“ und „allergische Reaktion auf ein Kopfschmerzmittel“.

Selbst I AM BRUCE LEE, eine Dokumentation zur Wirkung Bruce Lees auf Personen der Öffentlichkeit (2012), die im übrigen gründlich recherchiert erscheint, bringt die Umstände nicht genauer ans Licht, sondern zieht die Grenze in der nebensächlichen Aussage, die wahren Todesumstände seien streng genommen ungeklärt geblieben. Selbst die Theorie, der Tod sei erfunden gewesen und Bruce Lee noch am Leben, war bei meiner letzten Recherche (2013) zu finden. Wie der Superstar genau gestorben ist, liegt für die breite Öffentlichkeit weiter im Dunkeln.

Anders geht die Biographie Unsettled Matters. Life and Death of Bruce Lee (1996) an die Sache heran. In dieser Lebensbeschreibung bemüht sich der Autor Tom Bleecker um die Klärung zweier möglicher Ursachen für das frühe Sterben.

Bleecker hatte im Rahmen seiner Kampfkunstpraxis bereits persönlichen Umgang mit Bruce Lee gehabt, schrieb später zusammen mit der Witwe eine erste Biographie über den Verstorbenen, und war dann zwei Jahre lang selbst mit Linda Lee, heute Lee-Cadwell, verheiratet. Auch wenn die privaten Verhältnisse und Zerwürfnisse einen Schatten auf Bleeckers Glaubwürdigkeit werfen mögen, wird man Informationen, die so unpathetisch und unpolemisch zu Bruce Lees Leben und Sterben Auskunft geben, anderswo, außer bei Chuck Norris, lange suchen.

Mögliche Todesursache 1: Kombination unverträglicher Substanzen

     Kortison: regelmäßige Verabreichung seit einer schweren Rückenverletzung nach ärtztlicher Verordnung
   + Anabole Steroide: damals legal und für unbedenklich gehalten, von Lee seit längerem zum gezielten Aufbau von Muskelmasse angewendet - Nebeneffekte: allgemein aggressives, testosteronlastiges Verhalten, sowie Dehydration
   + Equagestic: Kopfschmerzmittel, eingenommen am besagten 20. Juli. Bereits einige Wochen zuvor war Lee nach Einnahme desselben Medikaments in den Golden Harvest Studios bewusstlos zusammen gebrochen und wurde auf anscheinend zufällige Weise von einem Arzt wiederhergestellt.

Kombiniert können die drei Substanzen Dehydration mit einhergehender Hirnschwellung bewirken, und damit erscheint diese Interpretation auch im Kontext der offiziellen Verlautbarungen sehr wahrscheinlich. Mord kann deshalb jedoch nicht ausgeschlossen werden.

2. Giftmord

Die Obduktion hat laut Bleecker nur etwa 600 von erfassten 3000 Giftarten berücksichtigt. Merkwürdige Narrative, die u.a. mit einem von Lee an der Haustür abgelehnten Geldkoffer zu tun haben, befördern Annahmen über einen Konflikt zwischen einem eigenwilligen bis aggressiven, mittlerweile sozial isolierten Bruce Lee und den Hongkonger Triaden, die damals wohl das Filmgeschäft in Hongkong so gut wie vollständig beherrschten. Weil sie den ersten Weltstar aus Asien nicht nach Hollywood verlieren wollten, so eine mögliche Hypothese, wurde an Lee das berühmte Exempel statuiert. Lees Hausangestellter in Hongkong, ein Freund aus Schultagen, der ebenfalls bei verschiedenen Kung-Fu-Filmen mitgewirkt hat, erhielt anscheinend kurz nach dem Tod des Stars eine wesentliche Summe von Lees Familie und war im Rahmen von Bleeckers Recherche nicht aufzufinden.

Das Buch verbindet viele belegte, immer wieder überraschende Einzelheiten zu einem glaubwürdigen Gesamtbild. Die Lösung scheint im Medizinischen zu liegen. Aber vor allem in der Lebensgeschichte erkennt man die Haltung – die Ambitionen, Wandlungen, Interessen und prägenden Erfahrungen – die Herkunft und die Beziehungen Lees, der, so erfährt man, auch Napoleon Hills „Think and Grow Rich“ gelesen und angewendet hat:

„Not long after receiving Think and Grow Rich, and following its precepts, Bruce wrote what he wanted from life and what he was willing to give back in return:

`My Chief Personal Aim In Life`
I, Bruce Lee, will be the highest paid Oriental superstar in the United States. In return I will give the most exciting performances and render the best of quality in the capacity of an actor. Starting in 1970, I will achieve world fame and from then onward till the end of 1980 I will have in my possession the sum of $10,000,000—then I will live the way I please and achieve inner harmony and happiness.“
(Bleecker 1996, p.31)

Man kann wohl sagen, dass da über´s Ziel hinausgeschossen wurde, oder der Schuss nach hinten losgegangen ist. In einer anderen Biographie Lees, erstmals erschienen 1975, berichtet seine Frau Linda: „Bruce hatte in den letzten Monaten mehr als einmal vom Tod gesprochen. Er war sehr sicher, dass er nicht alt werden würde. Er wollte es auch nicht: seinem Bruder Robert hatte er gesagt, dass er allein die Idee verabscheue, alt und schwach zu werden. >>Ich werde nicht so lange leben wie du<<, sagte er mir eines Tages. >>Wieso kommst du, um Himmels Willen, auf diesen Gedanken?<< fragte ich, >>du bist doch in einer viel besseren Kondition als ich.<< >>Ich kann es nicht genau sagen. Aber ich weiß tatsächlich nicht, wie lange ich all´ das noch durchhalten werde.<< – Linda Lee: Der König des Kung Fu. Bruce Lee. Sein Leben und sein Kampf, 1975)

Wie glaubwürdig die Aussagen Dritter sind, sollte immer in Frage gestellt werden, besonders ja, wenn es um Todesursachen geht. Eine deutsche Übersetzung von Unsettled Matters gibt es siebzehn Jahre nach der amerikanischen Erstveröffentlichung nicht. Die englischsprachige Originalversion ist dagegen frei zugänglich und weiterhin in der ersten Auflage erhältlich.

Zuletzt veröffentlichte Bleecker den Stoff unter dem Titel „TEA MONEY“ teilweise neu als „Fiktionalisierung einer wahren Geschichte„. Dort wird der Faden einer Ermordung durch Schlangengift weitergesponnen, was aber eine andere Geschichte ist.

bruce lee